Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

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Schneekönigin
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Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Schneekönigin » Sa 22. Aug 2015, 21:38

Ich hab den Bericht fertig. Achtung lang....
Ich habe Teile der vorangegangenen Tage mit reingenommen, anders fand ichs nicht vollständig.
Auf gehts....

06.08.15 SSW 36+0
Senkwehen.... Hab ich zwar schon länger, aber solche wie heute noch nicht. Unregelmäßig, gern nach Belastung, es drückt der Kopf nach unten. Schmerzlos, aber so unangenehm, dass ich mich dabei nur im Zeitlupentempo bewegen mag.

09.08.15 SSW 36+3
Gestern war mein Schwager zum Grillen da. Den gesamten Nachmittag bis 23 Uhr. War sehr schön, aber meine Beine sahen aus. Die Ödeme haben sich inzwischen auf die Oberschenkel ausgedehnt. Abends beginnt die Haut an den Knöcheln zu brennen. Blutdruck ist gut, Eiweiß nicht zu finden. Aber ich hab ein Auge auf mich. Ich nörgel zunehmend rum. Es ist einfach anstrengend inzwischen, ich bin nicht mehr belastbar. Mag nicht mehr.

11.08. 15 SSW 36+5
Es hat sich nach einer Gewitternacht abgekühlt. Unser Großer ist seit gestern für 2 Nächte bei meinen Eltern, die Mittlere war gestern Nachmittag bei einer Freundin und wird von Fr auf Sa dort übernachten. Eigentlich hätte ich die Kinder so gern um mich und ich fühle mich schlecht, dass ich nervlich so fertig bin momentan, dass es ganz gut ist sie zu Oma zu bringen. Andererseits freue ich mich über jede Minute mehr, in der ich die Füße hochlegen kann. Ab wann muss man sich eigentlich Sorgen hinsichtlich einer Gestose machen?
Ödeme hab ich, die sind nicht sprunghaft mehr geworden. Hatte ich in allen Schwangerschaften, diesmal witterungsbeding etwas ausgeprägter. Betroffen sind Beine, Füße, Hände. Im Gesicht oder an den Armen merke ich keine Veränderungen.
Vor dieser Schwangerschaft war ich beim Kardiologen, weil mein Hausarzt ein Herzgeräusch hörte. Dort hatte ich bei 3 von 5 Messungen einen leicht erhöhten Blutdruck. Das sei so aber noch nicht behandlungsbedürftig. Inzwischen ist der Blutdruck bei so ziemlich jeder Fremdmessung zu hoch. Selbst gemessene Werte befanden sich in dieser Schwangerschaft immer bei 130/80 oder 120/80. Seit 2 Tagen messe ich jetzt erhöhte Werte von 150/105. Ich hab keine Kopfschmerzen, keine Sehstörungen, keine Oberbauchschmerzen. Eiweiß im Urin war vorhin ganz wenig, hab aber heute auch ein bisschen wenig getrunken.
Abgesehen davon, dass alles inzwischen beschwerlich ist, fühle ich mich gut. Hebamme fährt am Fr in den Urlaub und ich möchte jetzt ungern schlafende Hunde wecken. Das jetzt ärztlich abzuklären macht mir Angst - fürchte das komplette Paket an Panikmache. Ich tendiere dazu die Füße hoch zu legen, zu entspannen, alle Messerei sein zu lassen, möchte aber zeitgleich auch kein massives Risiko eingehen.

12.08.15 SSW 36+6
Heute gehts etwas besser. Der Blutdruck hat sich bei 150/105 eingependelt ohne, dass ich jetzt das Gefühl hätte dadurch eingeschränkt bzw. belastet zu sein. Ich trinke viel, sehr viel und bin überrascht, dass mir das relativ leicht fällt. Die beiden Mädels sind seit gestern Mittag auch bei Oma, C. bringt sie nachher nach der Arbeit wieder mit nach Hause. Der Große will noch bei Oma bleiben. Evtl. bis Freitag. Ich merke, dass ich, nachdem ich gestern Abend noch heulend meinem Mann in den Armen lag, nervlich etwas runterfahren konnte. Die Nacht war ich sehr unruhig, ständig wach und hab dann um 2 Uhr Infomaterial bei den Gestosefrauen bestellt. Ich spüre, dass ich das sehr neutral lesen werde, gefühlt bin ich selbst nicht betroffen.
In Anbetracht aller Umstände habe ich die letzten Tage auch sehr eine baldige Geburt herbeigesehnt und merkte auch, dass es frustrierend ist stupide auf etwas zu warten, was ich nicht beschleunigen kann, werde und will und mich damit noch zusätzlich zu stressen. Der stetige Blick auf den Kalender bringt nichts. Ich habe mir vorgenommen in aller Ruhe noch das ein oder andere zu erledigen und den Fokus etwas zu verändern.
Nachmittags
Eiweiß ++. Rücksprache mit der Hebamme. Es liegt in meiner Hand. Letztlich muss sie mir zur ärztlichen Kontrolle (Hellp Labor) raten. Dass unabhängig vom Ergebnis allein aufgrund der anderen Symptomatik und der SSW zur direkten Einleitung gedrängt würde, darüber sind wir uns einig. Aber es besteht auch durchaus noch die Chance, dass all das jetzt einfach zu einem baldigen Geburtsbeginn führt. Wir sollen uns einen schönen Abend machen, dem Baby zureden, dass es durchaus sinnig wäre schon raus zu kommen.
Ich mach mir keine großen Hoffnungen. Morgen ist erst 37+0...

Do 13.08.15 SSW 37+0
Ich weiß wie gefährlich das ist und wie schnell sich das Ganze auch verschlechtern kann.
Ich kann mich nicht überwinden. Ich hab solche Angst das im KH überprüfen zu lassen. Selbst wenn es jetzt "nur" bei ner Gestose bleibt, egal mit welcher offiziellen Diagnose, ist die Hausgeburt gestorben. Ich will keine Einleitung, ich will keine Sectio. Wenn es mir wenigstens schlecht ginge. Aber ich fühle mich gut. Mir tut nichts weh. Ich sehe hohe Werte auf dem Blutdruckmessgerät und ich sehe Eiweißnachweis auf dem Urinstix, aber ich fühle nicht, dass ich ernsthaft erkrankt sein könnte.
Es ist zum Heulen.
Gestern Abend hatte ich über mehrere Stunden Senkwehen bzw. welche, die ich nur im unteren Gebärmutterdrittel ähnlich Mensschmerzen fühlte. Muttermund ist für mich unerreichbar (Bauch zu dick, Finger zu kurz), Männe meinte da sei alles weich, er könne bequem einen Finger einlegen.
Ich hoffe, dass das Baby und mein Körper das Richtige tun. Das Baby ist generell von ruhigem Naturell. Die Vorderwandplazenta fängt auch viel Kindsbewegung ab. Herzfrequenz bei 140bpm im Mittel und eben normal aktiv für die Woche. Ich habe nicht das Gefühl, dass es dem Kind schlecht geht. Ich rechne zwischen dem 20. und 30. mit der Geburt.
Vorhin kam die Lektüre von den Gestosefrauen an. Jetzt ist mir vieles klarer. Ich werde mich an den Ernährungsempfehlungen entlanghangeln und mal sehen, wie sich das hier so fügt.

Kaum, dass mein Mann vorhin zur Tür reinkam ging das Rumgewehe wieder los. Jetzt grad 5 Minuten Abstände, sehr kurz, nicht schmerzhaft.

Fr 14.08.15 SSW 37+1
Die Wehen waren dann gegen 23 Uhr wieder weg. Seither Ruhe.
Abends
Ich bin gefrustet, weil ich die schlimmste Mama auf der ganzen Welt bin. Unser Großer hat so frühstpubertäre Anwandlungen und kam vorhin heulend von Oma zurück. Er vermisst Oma. Bei Oma ist alles besser. Bei uns ist es so doof. Bei Oma durfte er dieses und dieses und jenes.....
"Ich freue mich, dass du wieder da bist M., ich hab dich vermisst die letzten 4 Tage." Er:"Ich hab nicht einmal an euch gedacht." Ich heule erstmal ordentlich.

Sa 15.08.15 SSW 37+2
Es ist wieder Ruhe im Bauch. Ich achte auf jedes winzige "Symptom", es neeeervt und ich merke, dass ich das Vertrauen in meinen Körper verliere. Einerseits denke ich mir, dass ich vielleicht doch den spärlich bepackten Klinikrucksack nochmal optimieren müsste. Die Anmeldeunterlagen für die Klinik ausgefüllt mitnehmen müsste, damit wenigstens die groben Daten bekannt sind. Mache ich doch noch einen Plan um eine notwendige Sectio so gut als möglich zu gestalten oder ist das letztlich eh egal?
Am Liebsten möchte ich das alles verdrängen um eine Chance zu haben wieder Vertrauen zu finden, aber ich hab doch 3 bzw. 4 Kinder und einen Mann, ich kann doch nicht leichtfertig meine Gesundheit aufs Spiel setzen.
Ich habe mit Internetverbot auferlegt. Kein gockeln mehr, ich werde noch irre sonst.

So 16.05.15 SSW 37+3
Schon den ganzen Tag gehts mir nicht gut, es ist Kreislaufwetter. Unsere Freundin K. bringt unsere Mittlere vom Übernachtungsbesuch nach Hause. Ich bin sehr müde und wenig gesprächig. Gegen 22 Uhr beim Zu-Bett-Gehen habe ich eine wirklich heftige Schwindelattacke. Mir geht es elend. C. sieht besorgt aus.Während er Schwindel verschwindet steigt in mir Panik auf. Ich muss das abklären lassen. C. will noch ganz schnell duschen. Anschliessend ruft er einen RTW, ich mag so nicht mit dem eigenen Auto los. Auf meine Anweisung packt er eilig ein paar Sachen und hilft mir was anzuziehen. Er ruft meine Mutter an. Die Kinder schlafen fest. Der RTW ist schnell da, mit Blaulicht. Als wir einsteigen wollen kommt grad pünktlich meine Mutter. Sie nimmt mich in den Arm und mir schiessen die Tränen in die Augen. Es regnet und wird bis Mittwoch nicht aufhören.
Im RTW wollen mich die beiden Herren flach auf dem Rücken auf die Liege verfrachten. Es dauert ne Weile bis alles richtig hingefummelt ist und ich sitze. Die Fahrt ist holprig, dunkel, es regnet und ich fahre rückwärts, dabei bin ich doch eh schon so ein schlechter Beifahrer. Wir sind zum Glück zügig da. Im Kreißsaal eine sympathische jüngere Hebamme A., die mit dem nicht vorhandenen Mutterpass umgehen kann. Ich gehe in den blauen Kreißsaal und werde ans CTG gestöpselt, es zeigt keine Auffälligkeiten. Sie lässt mich einen umfassenden Anamnesebogen ausfüllen und fragt mich, was sie wissen muss Zwischendurch schläft das Kind ein. Sie kommt um am Bauch zu ruckeln und prophezeit uns einen Jungen, die seien immer was zickig beim CTG. Aha, denke ich mir…. Urinstix Eiweiß ++.

Ärztin 1 kommt mit dem Blutabnahmekram und der Spießrutenlauf beginnt. So ne junge, arrogante Schnepfe. "Das ist jetzt natürliche schwierig ohne Mutterpass. Ich weiß ja nichtmal die Blutgruppe." "0 positiv ." „Ganz sicher?“ „Ja, selbstverständlich.“ "Naja, aber einen Nachweis haben Sie ja nicht."
Versuchte mir rechts einen Zugang zu legen. Daneben. Autsch. Neuer Versuch linker Handrücken, sie schon voll genervt, bekommt es zum Glück hin." Den schmerzenden, versauten Zugang rechts zieht sie erst in aller Ruhe, als der andere sitzt.
Zum Ultraschall. An der Art mich zu befragen merke ich deutlich, dass sie mich total scheiße findet. Ultraschall unauffällig, ich sehe ja was sie so misst. C. bittet sie, uns nicht das Geschlecht zu sagen, so sie es sehen sollte. „Nee, also das interessiert mich ja so garnicht, da kucke ich eh nicht nach.“ „Na ja, es soll ja nun auch genetische Auffäligkeiten geben, wo das Geschlecht dann doch von Relevanz ist.“ (Ich kanns mir nicht verkneifen.) Innerlich verleiert sie die Augen. Sie selbst verliert sonst kein Wort, C. fragt im Rausgehen, ob denn nun alles okay ist mit dem Kind. „ja, ja.“ Ich soll auf Station, alles Weitere würde dann morgen der Chefarzt entscheiden. Also ob ich zur Beobachtung bleibe. "38. Woche, das muss dann der Chefarzt entscheiden, ob man nicht zeitnah entbindet." So, so denke ich mir. Das entscheidet wohl der Chefarzt. Wenn hier einer entscheidet, dann bin ich das.
Ich werde stationär aufgenommen, komme in ein noch leeres Familienzimmer, alleine. 24 Stunden Sammelurin. Auf dem Pott steht 23:45 -23:45. Ich pinkel das erste Mal rein. Kurz drauf wackelt die Schnepfe auf Station bespricht sich mit der sehr netten Nachtschwester. Neee, doch nicht. Sammelurin von 6-6 Uhr. Schwester besorgt eine passende Blutdruckmanschette, bin ja nicht so ne Elfe. RR 167/116. Senken wollen sie nicht, das müsse morgen der Chefarzt entscheiden. Hellp Labor dauert 2 Stunden. Bis die Ergebnisse hier auf Station weitergegeben sind unter Umständen noch länger, erzählt uns die Nachtschwester im Vertrauen. Somit fährt C. nach Hause bzw ist unsere Freundin K. so lieb und holt ihn noch mitten in der Nacht.
Die sollen mir was zum Blutdrucksenken verschreiben und ein Hellp ausschließen. Dann flüchte ich so schnell ich kann.
Gegen 2:30 denke ich kommt Schwester 2 ins Zimmer. Blutdruck noch immer zu hoch, ich super angespannt. Sie teilt mir mit, dass die Laborbefunde da sind. Alles unauffällig. Erste Anspannung fällt ab. Sie geht um der Diensthabenden den aktuellen Blutdruck mitzuteilen, ich rufe C. an. Keine 3 Minuten später ist sie wieder da. Ich sage C., dass ich mich später nochmal melde. Ich möge mich im Kreißsaal melden, Ärztin möchte mich sehen. Ich kriege Schiss, ziehe mir was über, gehe rüber, mir ist speiübel, ich bin zittrig, es fühlt sich an wie der Gang zum Schafott. Im gelben Kreißsaal, Hebamme W. stöpselt mich ans CTG. "Sie sind aufgeklärt worden, dass wir ggf. einleiten?!"
"Nein, man hat mir grad gesagt, dass das Hellp Labor unauffällig war, mehr nicht." Ich fühle mich wie ein Duracell Hase, mir fällt es schwer mich zu unterhalten, dem Ganzen zu folgen. „Ich brauche einen Anfangsbefund, sagt sie entschuldigend.“ Zittrig ziehe ich meine Hose aus und sie untersucht mich vaginal. Fingerkuppe einlegbar.
Ärztin 2 kommt. Jung, so wie die erste Schnepfe auch, total griffig und unsympathisch. Mit ernster Miene steht sie vor mir. Der Blutdruck müsse runter, 38. SSW, man würde wohl zeitnah einleiten. Ich sage, dass ich das gern umgehen möchte. Sie wird fuchtig. "Und dann wollen Sie stattdessen einen sofortigen Kaiserschnitt oder wie?" "Nein, eine reelle Chance auf eine interventionsarme Geburt." Es folgt die Laier von toter Mutter und Kind. " Sie könnten einen Krampfanfall haben und infolge dessen......"
Ich frage sie, ob es dann jetzt nicht Sinn macht den Blutdruck medikamentös zu senken. Sie wird etwas milder. Ja, das würde man jetzt mit einem schnellwirkenden Präparat tun wollen. Morgen würde man dann ein anderes Medikament geben. So scnell wie sie da war, entschwindet sie wieder.
Ich bekomme eine Pille Adalat. Dass Adalat eigentlich ein Wehenhemmer ist, darüber werde ich nicht aufgeklärt. Ich weiss es aber selbst und spreche das hinsichtlich der drohenden Einleitung an. Nö, dass sei nicht so schlimm, man würde mir da ja jetzt nur einmalig eine Pille geben. Innerhalb 15 Minuten wirkt das Zeug. Blutdruck runter, Puls rauf. Ich fühle mich deutlich besser. Bekomme noch Flüssigkeit i.v. und 30 Min. CTG. Gegen 3:30 darf ich zurück auf Station. RR 150/80

Mo 17.08.15 SSW 37+4
Morgens früh
Schwester 3 kommt mit Blutdruckmessgerät. 160/100. Ich bekomme mein L-Thyroxin und zwei Pillen Alphamethyldopa zum Senken. Beim Frühstück bekomme ich kaum was runter. C. will so um 10 da sein, eigentlich müsste er arbeiten. Die Kinder gehen zu Oma. Die Lütte quatscht im Hintergrund, mir laufen die Tränen. Ich komm nicht runter.
Werde zum CTG bestellt, roter Kreißsaal, eine ältere Hebamme, die sich bei mir über andere Frauen beschwert. „Ständig lassen die die Türen auf, kommen ohne CTG Gurt, dann sage ich schon vorher, sie mögen sich hinlegen und wenn ich reinkomme, dann stehen die hier noch rum. Ständig diese offenen Türen – aber wenn sie dann hier liegen uns pressen, dann soll die Türe zu sein.“ Himmel denke ich, was ist denn mit ihr los? CTG ist gut. Ich darf gehen.
Dann Blutdruck (160/100) kurz vor der Visite. Die nächsten zwei sehr jungen Ärztinnen erscheinen in Begleitung der älteren Stationshebamme M.. Wieder kommt der fehlende Mutterpass zur Sprache. Ich fühle mich genötigt klar zu machen, dass kein Mutterpass nicht gleich keine Vorsorge bedeutet. Ich betone hier nicht die renitente Patientin sein zu wollen und beschwere mich über die Art und Weise der Kollegin heute Nacht. Komme da nachts in den Kreißsaal und muss mich anpampen lassen, sehr förderlich, wenn ein Blutdruck sinken soll. Ich möchte hier nicht als verantwortungslos gelten. Mir gehts nicht gut, ich habe ein Problem und ich möchte fair und gut versorgt werden. Nebenher laufen mir die Tränen. Die Ärztin ist handzahm und verständig, verspricht das nochmal zu thematisieren. Hebamme M. holt mir irgendwas Homöopathisches zum Beruhigen. In der Akte steht später: Patientin sah sich wegen des fehlenden Mutterpasses unter Rechtfertigungszwang, im Verlauf des Gesprächs emotional aufgelöst.
Kurze Zeit später soll ich zum Ultraschall. Ich bin grad angekommen, da erscheint C.. Wir warten über eine Stunde. Zwischendurch fällt auf, dass ich noch garnicht offiziell aufgenommen bin. Der Chefarzt schallt wohl heute morgen, wie am Fließband marschieren Paare zu ihm ins Zimmer, man bekommt einiges mit. Weinende Frauen und besorgte Väter. Zu kleine Kinder, zu unreife Kinder, drohende Frühgeburten. Was soll ich denn hier? Ich muss zum Oberarzt Dr. A. rein. Und warte. Schicke C. schonmal los um diese Anmeldung zu veranlassen, die ja noch nicht offiziell. Dr. A. erscheint. Ein halbwegs sympathischer Mann. C. kommt einige Zeit später dazu. Schall ist unauffällig. Es folgt ein langes Gespräch. Allein die Richtlinien erlauben nicht, dass ich nochmal nach Hause gehe, zumal der Blutdruck auch noch immer nicht gut ist. 4.Kind, 3×spontan, Kind fit, sie rechnen sich gute Chancen für ne ordentliche Spontangeburt nach Einleitung aus. Der Doc äußert, dass man es langsam angehen würde. Jetzt seien die Chancen gut. Ehrlicheweise könnten sie das in zwei Wochen auch sein oder aber eben auch richtig schlecht. „Und bei Ihrer Vorgeschichte – Fr.B., wer hat denn heute noch 3 tolle Spontangeburten?- wäre eine dann notwendige, eilige Sectio natürlich richtig bescheiden.“ Am Blutdruck jetzt noch länger Symptomkosmetik mittels Senken zu betreiben, gehe eben auch manches Mal nach Hinten los. Ich weiß was der Mann meint. Ich muss den Tatsachen ins Gesicht blicken. Ich habe eine Gestose und es geht mir auch nicht gut. Um in dieser Situation anzukommen, mich auf Intervention einlassen zu können, erbitte ich mir Bedenkzeit. Die Nacht war anstrengend, so fühle ich mich einer Einleitung und ggf. Geburt grad nicht gewachsen. Das Argument zieht, er gibt mir Zeit bis morgen. Ich werde mich schwersten Herzens gegen Pest und für Cholera entscheiden müssen. Eine Alleingeburt (Hebamme hat Urlaub) unter diesen Umständen in meiner Verfassung wäre verantwortungslos.
Ich versuche hier heute noch Kraft zu finden, zu schlafen. Morgen früh wird es ein erneutes Arztgespräch geben.
15 Uhr
Immernoch 150/100, trotz weiterer Blutdrucktablette. Ich konnte eben schlafen. C. ist beiden Kindern. Er kommt sofort, wenn ich das will. Ich möchte vorschlafen für was auch immer noch kommt.
C. kommt vorbei. Ich soll in ein anderes Zimmer. Packe meinen Krempel und werde mit Bett auf die andere Flurseite in ein 4-Bett Zimmer geschoben. Ans Fenster. Der Raum ist gut unterteilt, es sind quasi zwei 2-Bett Zimmer, die mittels Sichtschutz in einem Flur voneinander getrennt sind. Man hört trotzdem den Besuch derjenigen hinterm Vorhang. „Da haben Sie ja Glück gehabt mit dem Bett, das ist immer ganz nett, wenn man die Bettgitter hochmachen kann, wenn sie dann das Baby haben.“, sagt die Schwester. Ich fühle mich erstmal garnicht angesprochen. „Ich will hier noch garkein Baby haben.“ Neben mich kommt eine Frau in der 31. SSW. Ihr gehts richtig schlecht. Gestationsdiabetes mit heftigen Entgleisungen, Präeklampsie, Kind ist schlecht versorgt. Sie hat Kopfschmerzen, ununterbrochen. Was mache ich hier, frage ich mich wieder. Wir gehen ein bisschen spazieren. Es regnet noch immer ununterbrochen. Wir stehen an der Tür zum Klinikinnenhof und sind beide tottraurig. Es hätte so schön werden sollen. Eine tolle Alleingeburt. Wir hatten uns so sehr darauf gefreut. Wir wollen noch nicht aufgeben. Beim Gedanken daran morgen am CTG hängend in einem dieser hässlichen Kreißsääle mein Kindchen bekommen zu müssen, könnte ich heulen. Ich versuche den Gedanken auszublenden, dabei sollte ich mich vielleicht eher damit anfreunden. Wir wollen noch nicht aufgeben, alles tun, dass es doch noch von allein losgeht. Wir verschwinden gemeinsam in einer der Kilniktoiletten. Immerhin ist es da sauber. Schön ist anders, aber was tut man nicht alles.
Zurück im Zimmer will ich schnell schlafen, Kraft sammeln. C. fährt. „Hau bloß schnell ab, eh ich wieder heule.“
18 Uhr
Fluchtgedanken.... Ich haue einfach ab. Aber was, wenn der Blutdruck wieder Eskapaden macht?
Ich haue ab und nehme statt dem Alphamethyldopa von hier eigenmächtig Bisoprolol von meinem Mann. Sehe zu, dass ich das bei ersten Geburtsbestrebungen absetze um keine Atemproblematik zu riskieren. Aber wenn das was aus dem Ruder läuft?
Ich stimme der Einleitung morgen zu und wenn ich das Glück habe schon während eines Spaziergangs schöne Wehen zu haben, drehe ich den Spieß um, türme mit meinem Mann und fahre nach Hause zur Geburt.

Di 18.08.15 SSW 37+5
6 Uhr
Die Nacht war ganz gut. Meine Bettnachbarin hatte mich gewarnt, dass sie schnarchen würde. Es hat mich nicht gestört. Die Frauen hinterm Vorhang haben noch um 22:30 laut telefoniert, auch das hat mich nicht gestört.
Folgender Plan. Ich hab nachher nochmal ein Arztgespräch. Ich versuche mich zu entlassen, wenigstens bis zum Wochenende, was erfordert, dass ich das Alphamethyldopa verschrieben bekomme. Sollte sich das im Gespräch als utopisch herausstellen komme ich mit meiner Liste.
Ich will in die Wanne. Sollte das wegen Blutdruck, fehlender Abstriche o.ä. unmöglich sein, sollen sie die Abstriche machen und ich gehe auf eigene Gefahr da rein. Wer irgendwas an mir rumschneidet wird verklagt. Ich will die Dammschnittschere nichtmal zu Gesicht bekommen.
Ich werde mich zu keinem Zeitpunkt auf dem Kreißbett in Rückenlage befinden und werde darum auch nicht diskutieren. Anleitung zum Pressen brauche ich nicht. Ich bin die erste, die das Kind berührt.
Die Plazentageburt wird abgewartet. Keiner zieht an der Nabelschnur. Abgenabelt wird nach Geburt der Plazenta. Die Plazenta wird uns ausgehändigt. Niemand verkündet das Geschlecht des Kindes bevor ich es selbst gesehen habe.
Das Kind bleibt bei mir in Hautkontakt. Ich selbst oder mein Mann werden es zu gegebener Zeit anziehen. Das Kind wird ausschließlich gestillt und bekommt keinerlei künstliche Sauger.
Ich rufe meine Mutter an, weil ich wissen will, welchen Blutdrucksenker mein Vater nimmt. Metoprolol. Emb*yotox sieht da keine Schwierigkeiten. Ich behalte es im Kopf.
9:00 Uhr
Ich muss zum CTG, diesmal roter Kreißsaal, wieder ne andere Hebamme, die Kreißsaalleitung. Sie fragt wieder nach dem Mutterpass. „Ja aber, es muss doch irgendeine Dokumentation geben. Wer ist denn Ihre Hebamme?“ Ich antworte wahrheitsgemäß. „Aha, kenn ich nicht.“, in abfälligstem Ton.
Sie stöpselt mich ans CTG, 15 Minuten, dann erscheint OA Dr. A. „Guten Tag Frau B., A. mein Name.“, noch während er spricht bemerkt er wohl, dass wir uns ja schon von gestern kennen, korrigiert sich aber nicht. Er setzt sich mit der Akte vor mich, sein Telefon klingelt. Er bespricht sich wegen mehrerer anstehender Sectiones mit der Anästhesie. Er legt auf „Fr. B., Ihre Werte sind ja über Nacht minimal besser geworden. Das heisst nun nicht, dass keine zeitige Entbindung mehr angestrebt werden muss. Was halten Sie denn vom Krankenhaus Fr. B.?“ „Soll ich ehrlich sein?“ „Bitte!“ „Ich finds furchtbar hier und will nur nach Hause.“ „Dachte ich mir.“
Ich frage, wie konkret sich dann die Einleitung darstellen würde. Er fängt an mit Gel oder, oder, je nach Muttermundsbefund. Das meine ich aber garnicht. „Wieviel Mitbestimmungsmöglichkeit bliebe mir denn noch? Wenn ich beispielsweise in die Wanne will und Sie mir jetzt sagen, dass das mit dem Blutdruck ausgeschlossen ist, dann fahre ich nämlich nach Hause und gehe in meine eigene Wanne.“ Er kuckt mich mit großen Augen an. „Ich wüsste jetzt nicht, was dagegen spricht, Sie in die Wanne zu lassen. Allerdings haben wir hier 5 Kreißsääle mit 2 Wannen. Heute ist es wahnsinnig voll. Da Ihr Kind ja auch die ganze Zeit super fit ist (er zeigt aufs CTG), könnte man in Anbetracht der Umstände bis morgen weiter beobachten.“
Ich wittere meine Chance und frage, ob ich denn dann bis zum morgigen Tag nach Hause kann. Ich äussere meine Hoffnung, dass es von alleine losgeht, wenn ich mir nochmal einen schönen Abend mit meinem Mann mache, meine Kinder nochmal sehe. Ich es schaffe nochmal loszulassen. Offiziell darf er das natürlich nicht gut heißen. Ich gehöre im KH überwacht, aber er versteht sehr genau, was ich meine. „Frau B., wenn da was passiert bin ich dran. Dann heisst es: Herr Dr. A., wie konnten Sie die Patientin bloß gehen lassen?“ „Ich möchte selbstverständlich nicht, dass man Ihnen daraus einen Strick dreht, ich unterschreibe Ihnen alles Notwendige.“ Ich muss versprechen am nächsten vormittag wiederzukommen. Er veranlasst meine vorübergehende Entlassung gegen ärztlichen Rat. Auf der Station wird mir das Dopegyt bis zum nächsten Tag ausgehändigt. Meine Sachen könne ich im Schrank lassen, man würde das Bett eh bis morgen so stehen lassen.
Ich kann es kaum fassen. Seit 2 Tagen kann ich endlich wieder aufs Klo und packe danach eilig meine Sachen. Ich lasse nichts im KH, packe alles ein. Die Hoffnung, dass das Kind zuhause kommt stirbt zuletzt. Ich verabschiede mich von der Bettnachbarin, erzähle ihr noch kurz vom Frühchen einer Freundin, was auch in der 31. Woche kam. Sie bedankt sich dafür endlich mal einen positiven Ausgang gehört zu haben. Als C. kommt warte ich schon im Foyer. Es regnet noch immer. Er hat ne Jacke und feste Schuhe dabei, da wir ja eigentlich mit Einleitung rechneten. Ich ziehe die Schuhe nicht an, sondern mag mir lieber mit Latschen im strömenden Regen nasse Füße holen. Meine Hosenbeine sind klatschnass. Wir sind glücklich, dass wir uns wiederhaben.
Mein liebes Kind, bitte komm. Du hast Zeit bis morgen früh. Niemand rechnet ernsthaft damit 16 Tage vorm Termin. Aber es wäre so schön.
11:30 Uhr
Sind zuhause. Ich erreiche meine Hebamme im Urlaub und frage, ob irgendwas Gravierendes dagegen spricht, eigenmächtig auf Metoprolol umzustellen, der Klinik fern zu bleiben und abzuwarten. Das könne man so machen, ist ihre Aussage. Zudem rät sie uns zur Eipollösung, aber nur wenn der Muttermund offen ist, plus Sperma, dann abwarten ob Wehen kommen. Wenn nicht könne man Rizinus gering dosiert probieren. Sie hält genauso wenig von Einleitungsexperimenten wie ich. Aber es sieht aus wie unsere einzige Chance. Ich erkläre C. was ein Eipol ist und wie man ihn löst. Dann drapiere ich mich möglichst entspannt aufs Sofa. Er fühlt und findet den Muttermund. Von wegen Fingerkuppe einlegbar. Sein Gesicht, als er dem Baby den Kopf streichelt und es sich dabei bewegt ist göttlich. „Oh Gott, da tut sich was. Da ist was Hartes. Es bewegt sich."

Wir fahren mittags los zur Apotheke. Einlauf und Rizinusöl besorgen. Apotheke 1 händigt das nicht aus. Find ich ja ansich gut, in diesem Moment aber nicht. Apotheke 2 hat die Brühe da. Wir fahren zu meinen Eltern zum Mittagessen und Kinder sehen. Die beiden Großen jammern bei meinem Anblick mal wieder, dass sie ja noch garnicht mit nach Hause wollen. Ja Kinder, ich liebe euch auch. Meine S. ist emotional angeschlagen, das merke ich deutlich. Sie hängt ne Stunde kuschelnd auf meinem Schoß. Um 14:30 trinke ich am Küchentisch meiner Eltern einen Tee und merke die erste Wehe, sie kommen gleich mit 10 Minuten Abständen, sehr mild, aber spürbar. Die Intensität steigerte sich zusehens, nett vom Muttermund nach oben ausgehend. Gegen 15 Uhr merke ich manche schon ordentlich, andere fast garnicht. Um 15:15 bemerkte ich ne Zeichnungsblutung. Schlaues, tolles Kind, mach weiter so. Um 15:30 fahren wir nach Hause und räumen ein bisschen auf. Ich verpass mir den Einlauf und räume in der Zwischenzeit die Geburtssachen soweit hin. C. baut den Pool auf. Ich bin happy. Zuhause.
Wir gehen durchs Dorf spazieren, Wehen kommen in schöner Regelmäßigkeit, ich bepuste manche schon. Wieder zuhause sehen wir noch einen Film. Ich bin müde und lege mich aufs Sofa. Schlafe noch ein bisschen, wobei die Wehen nur mäßig an Intensität verlieren.
23:35 Uhr
Hatte bisschen Wehenpause und hab geschlafen. Bisschen blutiger Schleimabgang. C.füllt den Pool. Wehen tun weh, alle 5 Minuten. Ich wander wehend durchs Wohnzimmer und fühle mich großartig. Wir lachen und scherzen und freuen uns wie blöde, dass ich dem KH entkommen bin und amüsieren uns über den Schmarrn der letzten Tage. Die Kerzen sind an, es sieht sehr feierlich aus im Wohnzimmer
So um 0:10 bin ich im Wasser. Ich komme gut zurecht, ziehe meine Bahnen, Wehenschmerz nimmt stetig zu. Um 2 Uhr sind wir fertig, denke ich sehr optimistisch. Irgendwann ist es 2 Uhr und ich mag nicht mehr. Ich hab mein typisches Übergangsphasensymptom – direkt nach einer Wehe mehrmaliges leichtes Aufstossen. Der Wehenschmerz nervt, ich mag nicht mehr veratmen, hab (wie immer) keinen Pressdrang und schiebe deshalb einfach mal mit um zu kucken was passiert – nichts. Ne Weile ist das ganz gut. Dann plötzlich nicht mehr. Sobald ich mitschiebe ist der Schmerz danach kaum auszuhalten. Es fühlt sich im vorderen Bauchbereich unangenehm an, als würde mit jeder Wehe meine Blase malträtiert. Ich muss pinkeln, C. begleitet mich zum Klo, 3 Tropfen. Irgendwie klemm ich mir da was ab. Wider Erwarten finde ich es an Land erstmal nicht so schlecht. Ich stehe im Wohnzimmertürrahmen und veratme. C. massiert mir das Kreuzbein. Als das doof wird, gehe ich ein bisschen hin und her. Ich habe das Gefühl, dass jeder Lage-oder Ortswechsel kurzfristig etwas Linderung verschafft. Zwischendurch höre ich immer mal mit dem Dopton rein, das Kind zeigt sich völlig unbeeindruckt. Ich bin hundemüde und gefrustet, lege mich aufs Sofa und hoffe eine Wehenpause zu kriegen. Nichts da, sie bleiben. Ich schmeiss mich auf dem Sofa von links nach rechts. Auch doof. Was mache ich denn jetzt? Ich jammer und heule rum. C. soll mal tasten. Er hat ja nun eigentlich keine Ahnung, ist sich aber sicher, dass da ein Rand ist. Er sagt was von 8 cm. Okay, dann veratme ich jetzt noch ne Stunde, denke ich mir und finde neue Motivation. Gehe zurück in den Pool. Seitenlage. C. füllt zwischendurch warmes Wasser nach. In den Wehenpausen schlafe ich ein. Ich bin so wahnsinnig müde. Sobald die nächste Wehe kommt schrecke ich aus dem Schlaf auf und habe Mühe mit dem Schmerz umzugehen, ich finde nicht mehr so richtig rein. Wenns zu krass ist, hänge ich mich wieder über den Poolrand. Meine Stimmung wechselt. Ich bin verzweifelt, ich bin wütend, ich ermahne mich zur Vernunft. C. wischt mir mit nem kalten Waschlappen durchs Gesicht, davon werde ich für einige Augenblicke etwas wacher. Er selbst hockt müde auf dem Sofa. Wir sind beide so fertig. Ich esse Traubenzucker, es hilft nicht wirklich. Inzwischen muss es ungefähr 4:30 Uhr sein. Seit 2 ½ Stunden hab ich das Gefühl, dass das Ende fast da ist. Aushalten, einfach aushalten, irgendwann kommt das Kind. Ich beginne wieder mitzuschieben. Nichts tut sich. Warum? Was ist da los? Warum tuts im Blasenbereich so weh? Das hängt doch irgendwo da vorne fest das Kind. Ich gehe in die tiefe Hocke und lehne mich nach hinten im Pool. Das mache ich eine Weile, ohne Erfolg. Dann kommt der absolute Krisenmoment. Ich denke ans KH. Nee, da fahr ich nicht hin. Ich taste nach dem Muttermund, komme schlecht hin. Da ist irgendwas weiches, ich weiss nicht was das ist. Ne Muttermundslippe? Fruchtblase? Keine Ahnung. C. sitzt am anderen Poolende auf dem Schaukelstuhl. Ich hänge mich vor ihm über den Poolrand und jammere völlig verzweifelt. „Was mach ich jetzt bloß?“
„Ich kann ja nochmal tasten.“, sagt er. Ich steige aus dem Pool und schmeisse mich im Vierfüßler aufs Sofa. Er tastet. Zieht die Finger raus, ich kucke nach hinten auf seine Finger. Er hält sie hoch und sagt: “Das sind doch 10 cm, das gibt’s doch garnicht.“
Es kommt ne Wehe, ich schiebe mit, es knackt, Fruchtwasser tropft aufs Handtuch unter mir. Ich schiebe mich rückwärts vom Sofa. Kucke kurz aufs Handtuch. Das Fruchtwasser ist klar. Irgendwie klettere ich wieder in den Pool und knie vorm Rand. „Gleich ists geschafft.“, höre ich C., er ist mein Held. Eine Wehe kommt, es knackt nochmal, jetzt ist die Fruchtblase ganz auf und ich merke den knöchernen Kopf. Das Fruchtwasser ist klar. Ich fische ein Stück Eihaut aus dem Wasser und werfe es in den Eimer vor mir. Innerhalb der nächsten zwei Wehen schiebt sich das Kind nach unten. Gleich ists geschafft, endlich. Ich drehe mich um und stelle das linke Bein auf, der Kopf kommt. Ich fasse hin, er fühlt sich glitschig an, ich denke es sind noch Eihäute drumrum und hab nicht wie erwartet das Bedürfnis langsam zu machen. Im Gegenteil. Ich schiebe das Kind raus. 5:31 Uhr. Da ists vor mir im Wasser, ganz zusammengewurschtelt hebe ich es raus. „Ein Mädel!“, höre ich C. sagen. Ich selbst sehe erstmal nur die dicke Nabelschnurumschlingung, 3x liegt sie locker um den Hals. Ich wickle das Geschenk aus und küsse die Kleine, lege sie in meinen Arm, sie wird schnell rosig. Die Nabelschnur pulsiert kräftig. Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist und wie eine Welle rollt die Freude über unser Kind an. Sie ist wunderschön. Mein schlaues Mädchen. Wieder blickt Mutter Natur auf mich herab und sagt:"Gut gemacht, Tochter."
C. legt ihr ein Handtuch über. Sofort ist mir klar, warum das so dauerte. Sie hat sich irgendwo da oben verschanzt und abgewartet bis der Weg geebnet war. Ich hatte quasi kaum zusätzlichen Druck des Kopfes auf den Muttermund. Dann ist sie in einem Rutsch raus, um jeglichen Zug auf die Nabelschnur zu verhindern. Ich sitze noch einige Minuten im Wasser, will dann aber raus. Beim Aufrichten rutscht die Plazenta ins Wasser. Die hatte sich wohl gleich mit gelöst.
Wir ziehen um aufs Sofa. Sie legt sich sehr schnell selbst an. C. schläft völlig erschöpft am Fußende ein. Ich sitze hellwach da und bestaune das kleine Wunder im Licht des Spätsommermorgens.

H.edda Fl.orentine – 19.08.2015 – 5:31 Uhr – 3280g – 52cm – 33,5 KU

Ich bin mir sicher, dass sie sich während der CTGs in der Klinik so eingewickelt hat. Derart zappelnd habe ich mein Kind zuvor nie wahr genommen. Ich bin dankbar, dass am 18.08. so viele offenbar eine Einleitung wollten (nettes Datum) und für mich keine Zeit war. Ich möchte mir nicht ausmalen, was mir und unserer Tochter geblüht hätte, wenn man die Nabelschnurumschlingung im Ultraschall gesehen hätte oder noch schlimmer, die Kleine während der Einleitung mit Wehenmitteln nach unten gezwungen hätte. Ich bin glücklich, dass ich genug Kraft und Nerven hatte mich dem Klinikgetöse zu entziehen. Es war eine meiner härtesten Prüfungen. Ich bin restlos überzeugt, dass es Dinge gibt, die zur Geburt führen, von denen wir noch absolut nichts wissen und erleichtert, dass ich diese Kräfte mobilisieren konnte, 15 Tage vor ET. Ich bin meiner Hebamme dankbar, auch wenn sie nicht zugegen war. Ihre Hinweise waren es letztlich auch, die mich überzeugten einfach zuhause zu bleiben. Unfassbar dankbar bin ich meinem Ehemann. Aber dankbar ist das falsche Wort. Es gibt kein Wort für das was ich ihm gegenüber empfinde. Er hat mich behandelt wie eine Göttin, er hat mich durch diese Zeit getragen, durch diese Geburt begleitet. Es war unsere gemeinsame Geburt, die Geburt unseres 4. Kindes.
* 04/08 7. SSW
Winterling 28.02.09 einfache, spontane Belegeburt im KH
Schneeprinzessin 02.01.11 schnelle, spontane Beleggeburt im KH
Schnuppe 01.05.13 traumhafte, unkomplizierte Alleingeburt im Pool
Blümchen 19.08.15 erkämpfte, wundervolle Alleingeburt im Pool

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Martha
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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Martha » Sa 22. Aug 2015, 21:58

Ist das ein aufregender und wunderbarer Bericht. Ihr habt das unglaublich gut gemacht. Alles Gute für dich, dein Baby und eure ganze Familie :herzen:
95,96,98,2000,2002,2003,2006,2008,2010,2014 (3xKh, 7xHg)

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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Malou » Sa 22. Aug 2015, 22:05

Vielen, vielen Dank fürs teilen von diesem WUNDERbaren, Mut machenden und motivierenden Geburtsbericht. Du Löwin!
Ihr seid ein so tolle Team: C. und du und ihr habt eine tolle, wirklich schlaue Tochter bekommen :herzen:
Du kannst so unglaublich stolz auf dich sein :rainbow:
Ich wünsche euch alles, alles liebe, GANZ viel Freude an der kleinen Maus (ich LIEBE den Namen!!!) und jetzt genießt weiter das Wochenbett!!!! :princess:
„Wenn du ein Kind bekommst, darfst du eins nicht vergessen:
Dein Herz schlägt künftig außerhalb deines Körpers“
Katherine Hadley


:cap: 12.4.2010 - ambulante KH Geburt
:dreirad: 3.5.2012 - traumhafte Hausgeburt

:baby: 09/2015 - kraftvolle Alleingeburt

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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon weib1969h » Sa 22. Aug 2015, 22:10

wp-cry :applaus: :beten: :rosabrille: :blume: :blume: :blume: :blume:
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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Miri22 » Sa 22. Aug 2015, 22:42

:hurra2: Yeah dein Bericht ist da... Unglaublich starke Frau , wunderbar wie ihr das geschafft habt :rosabrille:

Und nochmal: Herzlichen Glückwunsch! Eine Meisterleistung! :rainbow:
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06/14 Räubertochter (Hausgeburt)
10/16 Babymädchen (KH Selbstbestimmt)

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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Naturmaedel » Sa 22. Aug 2015, 23:14

Ich danke dir sehr für diesen Bericht!! :knicks: :princess: Er ist sehr bewegend und ermutigend und zeugt von der Kraft zwischen Mutter, Kind und der Liebe. :herzen: Ich empfinde großen Respekt auch gegenüber deinem Mann - Hut ab, echt!
Ich finde auch dass der Arzt den du zuletzt hattest in diesem Moment sehr empathisch gehandelt hat........
Alles Gute für euch 6 :hearts: :wolke: .
Annika schöne KH Wassergeburt 11/2009
Ida wundervolle HG 11/2011
Zwillingsbuam respektvolle KH-Geburt 01/2014
Schneeflocke überwältigend schöne Alleingeburt 01/ 2017


Sollen wir Kinder ziehen, müssen wir auch Kinder mit ihnen werden. (Martin Luther)

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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Curlysue » So 23. Aug 2015, 03:01

Was für ein Bericht, daß war ja ein Krimi :bgrin: Wahnsinn dass s doch noch zu hause geklappt hat :hausgeburt: :babyglueck:
Was hat die Klinik denn gesagt das es doch eine Hausgeburt wurde :lol3: die dummen Gesichter hätte ich gerne gesehen lol
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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon selkie » So 23. Aug 2015, 07:07

Solch eine spannende geburt, und allen respekt vor dir. Das hast du wunderbar gemeistert. Herzlichen Glückwunsch dazu. :hausgeburt: :babyglueck: :blume: und dein mann ist ja wunderbar

Was mich noch interessieren würde, habt ihr in der klinik bescheid gegeben und was haben die dazu gesagt?
sternchen 2000 (5.woche), sternchen 2009(5.woche), wunschkind 2009 (abgebrochenen HG), sommerkind 2013 (HG), sternenkind 2015 (HG 13.woche), winterkind 2015 (HG)
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Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon caitlyn » So 23. Aug 2015, 09:52

danke für den bericht! ich hab ihn heut nacht irgendwann gelesen, als ich wieder mal wach lag... :)

soooooooo schön! herzlichen glückwunsch zum babymädchen! danke fürs teilen, danke fürs aufschreiben! mann, seid ihr ein tolles team! :rainbow:
rabaukenmädel 04/10 KH
sommerkind 08/13 HG

kleiner brudi 04/16 HG

Gänseblümchen

Re: Haus-Wasser-Alleingeburt von H.F.

Beitragvon Gänseblümchen » So 23. Aug 2015, 09:57

toller bericht! klasse gemacht! :daumen: :clap: Glückwunsch! :hausgeburt: :blume: :hurra2:


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