Fortsetzung
Ich wollte dann doch irgendwie die Betreuung unserer Tochter für den späten Nachmittag und Abend geklärt haben, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mein Mann und unsere Tochter kreischend, spielend und tobend durch die Wohnung hechten, wenn ich Wehen habe bzw. wollte ich nicht, dass die Wehen wieder aufhörten. Also rief ich erneut meine Mutter an und fragte sie, ob sie nicht kommen könnte, auch wenn es ein Fehlalarm wäre. Sie sagte zu, wollte aber erst noch was erledigen. Mein Mann holte dann unsere Tochter von der Krippe ab und ich sang, tanzte und wehte zu Hause vor mich hin. Ich nutzte auch die Gunst der Stunde mal meine Hebamme zu informieren. Sie wollte dann auch am Abend noch vorbeikommen und mal nach dem Rechten schauen.
Als mein Mann mit Töchterchen Heim kam, mussten wir nicht mehr lang auf meine Mutter warten. Töchterchen freute sich riesig. In dem Moment als meine Mutter reinkam, hatte ich eine Wehe, bei deren Verarbeitung mir mein Mann schon helfen musste. Meine Hüften schmerzten bereits sehr stark, gingen aber doch, wenn mein Mann mir diese massierte. Ich wurde auch sehr sentimental, weil ich mich kurz hilfebedürftig anfühlte und meine Mutter dies ja mitbekam. Das Gefühl verflog aber sofort wieder.
Ab dem Moment als meine Mutter da war, kamen die Wehen Schlag auf Schlag alle 1,5-2 Minuten und dauerten ca. 40-60 Sekunden. Ich hatte in der ganzen Wehenzeit kaum das Babylein gespürt, noch meine Gebärmutter, noch meinen Muttermund. Ich spürte nur meine Schambein-, Leistengegend und Hüfte und das nicht zu wenig. Nach einiger solcher Wehen, bat ich meinen Mann unsere Hebamme erneut anzurufen und um Rat zu bitten. Sie sagte, wir sollten ein Bad versuchen und sie würde gleich kommen.
Das warme Wasser der Badewanne war herrlich und die Wehenabstände wurden wieder länger. Hatte schon etwas Angst, dass sich die Wehen verabschieden und alles nur Fehlalarm war - ich glaubte immer noch nicht, dass heute der Tag der Geburt wäre. Ich war ca. 20 Minuten in der Wanne. Eine Wehe hielt ich aus, die andere hat mich sofort nach draußen verjagt. Es war zu unbequem und ich fand einfach keine Position diese fiesen Wehen zu meistern. Ich hätte den Pool aufbauen lassen sollen. Ich dachte im Laufe des Abends noch öfter daran, habe es aber nie ausgesprochen - was im Nachhinein wohl ein sehr großer Fehler war. Ich hatte mich wohl zu sehr drauf versteift, dass ich nicht im Wasser gebären wollte.
Es dauerte noch eine Zeit lang, bis unsere Hebamme ankam - ich fragte meinen Mann noch öfter nach ihr. Ich wurde wohl schon langsam etwas verzweifelter mit den unangenehmen Wehen, die ich so einfach nicht kannte. Zudem war ich auch schon ganz schön erschöpft. Hatte ja die letzten Tage nachts nicht so gut geschlafen. Glücklicherweise hatte ich ja den Tag zuvor häufiger einen Powernap eingelegt gehabt!
Unsere Hebamme kam dann endlich und als sie reinkam, hing ich grad am Tragetuch und vertönte eine Wehe. Wieder bekam ich ein sentimentales Gefühl, weil ich mich in dem Moment ihr gegenüber so hilfsbedürftig anfühlte. Das Gefühl verflog aber auch gleich wieder.
Wir brachten sie auf den neuesten Stand und sie fragte mich, ob sie mich mal untersuchen durfte. Ich stimmte zu. Sie sagte, dass sie mir den Befund nun nicht mitteilt. Ich war einverstanden, wusste aber bereits, wie der Befund aussah. Sie sagte mir später, dass ich um ca. 17:30 Uhr bei 2cm war. Das war zu dem Zeitpunkt auch meine Vermutung. Ich war nicht demotiviert oder ähnliches - ich wusste ja, dass es noch dauern wird. Aber die Wehen waren jetzt ja schon in kürzeren Abständen und länger. Und so hüpfte ich weiter durch die Wohnung, tönte am Tragetuch hängend und sang die Lieder auf meiner Geburts-CD mit. Alle waren im Wohnzimmer - meine Tochter spielte mit meine Mutter oder mit mir oder mit meinem Mann. Meine Mutter unterhielt sich auch oft mit meiner Hebamme. Ich fand die Atmosphäre wunderbar

Meine Tochter wollte mir dann auch oft die Hüfte während einer Wehe streicheln - sie war so liebevoll und überhaupt nicht verschreckt oder ähnliches, als wäre es das Normalste auf der Welt
Nun begann dann die lange heiße Phase. Ab hier überschlagen sich meine Erinnerungen. Deswegen bin ich gespannt auf den Bericht meiner Hebamme, um hier nochmal mehr Struktur reinzubekommen. Die Zeit verging unglaublich langsam und es ereignete sich so viel in dieser Zeit.
Die Intensität der Wehen nahm immer mehr zu. Sie kündigten sich mit einem Brennen tief in der Scheide an. Es war wie ein kleiner Kreis, der immer größer wurde. Das ging ziemlich schnell und dann kam die Wehe mit voller Wucht. Ich hatte das Gefühl, mir zerfetze es die Hüfte. Mein Mann musste mir die Flanken gegenhalten, so dass ich nicht an die Decke ging. Ich weiß noch, dass wir zu Anfang sehr viel Spaß hatten. Oft waren diese Wehen laufend bzw. hüpfend gut erträglich und nachdem sie dann vorbei waren, war der Schmerz fast weg. Fast. Das irritierte mich auch sehr. Damals bei den Fehlgeburtswehen, war zwischen den Wehen nichts. Rein gar nichts. Es war wie ein Trance-Zustand von absoluter Leere und Reinheit. Diese Wehen verpassten mir zwischen den Wehen keine komplette Erleichterung. Ich hatte immer noch so ein Nachbrennen - wie man es so von der Mens kennt, wenn einem die Hüfte breitflächig schmerzt. Und überhaupt war ich die ganze Zeit hellwach da. Ich wurde immer erschöpfter. Ich probierte viele Stellungen aus. Ich konnte mich nicht hinsetzen, weil es zu schmerzhaft war, wieder aufzustehen, wenn eine Wehe daherkam. Der Schmerz beim Aufstehen war genau da, wo die Wehe dann ansetzte und zwar im Beckenboden und das vertrug ich vor einer Wehe nicht. Also lief ich mir sozusagen meine Füße platt. Ab und an versuchte ich den Vierfüßler. Der ging zwar besser, aber war auch nicht optimal. Ich versuchte es dennoch und vor allem, um zwischen den Wehen zu versuchen zu dösen. Ich lehnte also mit dem Oberkörper auf der Couch und mit den Knien war ich am Boden auf einer Matratze. Meine Hebamme nutzte diese Zeit immer um meinen Eröffnungszustand anhand der Linie am Popo zu erkennen - sagte mir aber nie, wie weit ich war. Mir war es egal. Zwischendurch hörte sie mit dem Dopton immer mal die Herztöne ab. Unser Babylein machte super mit.
Mit der Zeit wurde ich noch erschöpfter und langsam auch verzweifelter, ob ich das überhaupt noch so lange durchhalte. Zumal das erst noch die Eröffnungsphase war und ich jetzt schon mit den Wehen so zu kämpfen hatte und ich so erschöpft war! Sie bot mir ein Schmerzmittel an. Ich lehnte es erst ab. Später spritzte sie es mir dann in den Po. Sie meinte ich sollte mich dann auch mal hinlegen und die linke und rechte Seite abwechseln - das würde dem Kind helfen sich besser einzustellen. Ich versuchte zu dösen. Die Wehen waren etwas leichter. Musste dennoch öfter aufstehen, um die Wehen zu verarbeiten. Dabei merkte ich, dass mir der Kreislauf nun am Höhepunkt der Wehe immer kurz vorm absacken war. Ich fing dann langsam an zu jammern. Ich sagte immer wieder, dass ich mit diesen Wehen nicht zurecht kam. Egal wie ich atmete, egal wie ich mich bewegte. Die Wehe kam immer so heftig, dass ich fast zusammenbrach und dabei war das immer der Anfang der Wehe und ich musste noch die restlichen 30-40 Sekunden durchhalten. Ich strauchelte immer. Ich fing an mich vor jeder Wehe zu fürchten. Ich jammerte, dass es mir meine Hüfte wegsprenge. Zum Gefühl der Hüftsprengung, kam dann langsam das Gefühl, dass es mir den A*sch auch noch wegsprengt. Ich hielt es nicht mehr aus. Dazu die Kreislaufabsacker. Ich lag nun viel und ergab mich dem und jammerte nur noch. Meine Hebamme hatte viel zu tun, mich zu motivieren. Ich versuchte es auch immer wieder. Ich versuchte die Wehen positiv anzunehmen, ich versuchte meine Baby zu mir zu rufen, ich versuchte mir vorzustellen, wie toll es ist, mein Baby bald in Händen zu halten. Nichts half. Ich war emotional taub. Ich wollte einfach nicht. Ich konnte nicht mehr. Ich fing an zu weinen. Meine Hebamme schickte mich immer wieder auf dei Toilette um Urin zu lassen. Es half nichts. Sie gab mir zwischenzeitlich etwas für meinen Kreislauf. Die Wehen nahmen wieder an Intensität zu. Sie wurden auch heftiger als je zuvor. Ich fürchtete mich so sehr,w eil ich wusste, dass sie noch viel schlimmer werden würden. Ich winselte und jammerte, dass ich es nicht aushalten würde.
Meine Hebamme schlug mir nochmal ein Bad vor. Das Bad war wieder herrlich, doch die Wehen wurden seltener, aber wenn sie kamen konnte ich sie darin noch weniger annehmen. Also bin ich wieder raus. Ich hätte diesen verdammten Pool aufbauen lassen sollen. Es lag sicherlich am Platzmangel im der viel zu schmalen Badewanne.
Meine Mutter und meine Tochter waren in der ganzen Zeit für mich eher so im Hintergrund wahrzunehmen. Ich bekam zwar schon viel mit, beachtete es aber nicht wirklich. Ich war nur sehr froh, dass meine Tochter das alles sehr positiv aufnahm. Und selbst meine Mutter war zwar traurig, dass sie mir nicht wirklich helfen konnte, aber sie versprühte auch eine Ruhe und hat nie blöde Kommentare gemacht oder ähnliches. Sie hat eher eine positive Aura ausgestrahlt. Ich fühlte mich in der Hinsicht rundum geborgen.
Ich habe es immer verflucht, wenn mein Mann grad bei einer Wehe nicht da war, denn alleine schaffte ich diese nicht auszuhalten. Ich war so verzweifelt. Meine Hebamme meinte ab und an zu mir ich sollte auf den Wellen reiten. Ich realisierte es nicht wirklich, denn es gab keine Wellen zu reiten! Jede Wehe sprengte mir fast die Hüfte und den verdammten A*sch! Dennoch gab es viel zu lachen - ich muss wohl des öfteren einen wirklich guten Kommentar fallen gelassen haben, denn oft lachten alle daraufhin. Das half mir wohl auch etwas nicht ganz zu verzweifeln. Aber was sollte ich denn tun? Ich wusste, dass ich nicht aus der Haut rauskonnte, obwohl ich irgendwann genau das wollte.
Irgendwann fühlte ich mich anders unten rum. Es fühlte sich an, als wären meine Beine an der Hüfte entkoppelt und in mir klaffte ein riesiges Loch. Ich glaube, da war ich dann vollständig eröffnet. Und es ging weiter. Die Wehen nahmen nochmal an Intensität zu. Ich wurde verzweifelter und konnte einfach nicht mehr. Ich wollte aus meiner Haut raus. Ich winselte. Ich wollte, dass sie mich ablenkten. Ich wollte mich unterhalten. Ich bat meine Hebamme übers Krankenhaus zu lästern. Mir bis dahin schon öfter der Gedanke daran, was wäre, wenn wir jetzt verlegen. Es war nie eine Option. Nichtmal ein Kaiserschnitt war eine Option. Die einzige Option die ich gerne angenommen hätte, wäre eine PDA gewesen. Aber dazu hätte ich ja ins KH gemusst. Das wollte ich nie und nimmer. Also wollte ich übers Krankenhaus lästern und es mir madig machen. Ich sagte, dass es dort stinkt, es ekelhaft weiß und steril ist und noch so einiges. Alle waren amüsiert. Ich viel dennoch irgendwann wieder in den Jammerton zurück. Ich wollte nicht mehr. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich fragte ständig, wie lang denn diese Übergangsphase noch dauern würde. Ich war noch gar nicht lange drinnen und ich war schon mehr als am Ende. Die Wehen nahmen wieder an Intensität zu. Mir wurde bewusst, was ich vorher schon alles ausgehalten hatte und das es immer noch eins drauf gibt. Ich hatte Angst vor der Pressphase. Meine Hebamme sprach mir Mut zu, dass es dann wieder leichter werden würde - ich klammerte mich daran, nicht ahnend, dass es in meinem Fall nicht stimmte...
In der ganzen Zeit spürte ich von meiner Gebärmutter und dem Geburtskanal nichts. Rein gar nichts. Ich spürte das Baby nicht. Ich spürte nichts tiefer treten. Nichts. Meine Hebamme sagte mir immer nur, dass es dem Babylein hervorragend ginge, es alles super mitmache.
Die Wehen sprengten weiter meine Hüften und meinen Hintern und das immer heftiger. Ich jammerte nur noch. Ja ich jammerte verdammt viel

es war aber auch mehr als hart. Ich wäre am liebsten gestorben. Irgendwann sagte meine Hebamme irgendetwas - ich weiß nicht mehr was - und ich riss mich zusammen. Ich konzentrierte mich und hielt die nächsten Wehen hüftekreisend im Vierfüßler ohne Mucks aus. Ich habe nur geatmet. Schmerzlinderung brachte mir das nicht, dafür hörte ich das Jammern auf und demotivierte mich nicht weiter. Dennoch hielt das nicht ewig an, denn die Wehen wurden immer schlimmer. Die Sprengung gab mir einen so starken Druck nach unten, dass ich meinen Mann und meine Hebamme bat von Hinten dagegenzudrücken. Das gab eine ganz leichte Linderung. Aber es war so anstrengend. Ich war so erschöpft. Irgendwann änderten sich die Wehen langsam. Zwar sprengte es mir weiterhin den Hintern und die Hüfte, aber jetzt kam noch eine Art Reflex hinzu, den ich noch weniger aushielt. Er erinnerte mich ganz stark ans Erbrechen - nur das sich meine Scheide nun Wehe für Wehe erbroch. Ich erzählte das meiner Hebamme und sie fand das unglaublich witzig diese Beschreibung, denn das hatte sie noch nicht gehört. Achja, mir war zwischenzeitlich auch immer wieder richtig schlecht während der Wehen. Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich erbricht. So oft, wie ich mich in meinem Leben erbrochen habe, kann ich an einer Hand ablesen. Das liegt vielleicht auch sehr daran, dass ich eine unglaubliche Abneigung gegen diesen Brech-Reflex habe. Und nun hatte ich so einen Reflex in meiner Scheide!

Einmal musste ich dann doch bei so einer Wehe spucken. Zum Glück war das Spuckschälchen zur Stelle
Zunächst war der Reflex noch harmlos. Doch die Intensität steigerte sich auch hier zunehmends. Meine Hebamme wurde auch zunehmends - hm sagen wir mal unentspannter. Also nicht, dass sie irgendwie eine unsicher wurde oder ähnliches - nein, sie wusste einfach nicht mehr, wie sie mich motivieren sollte. Aber das war mir total egal, ich war so fertig und erschöpft, dass mir alles schei*egal war. Ich wollte sterben, ich wollte raus aus meinem Körper. Ich versuchte mich ja immer wieder hinzulegen und zu schlafen, um mich auszuruhen. Eigentlich hatte ich immer bedenken deswegen, weil ich ja gelesen habe, dass dies die Geburt verzögern bzw. erschweren kann. Meine Hebamme beruhigte mich aber und meinte nur, dass das viele Stehen und Laufen mich zu sehr erschöpfen würde. Also versuchte ich mich immer wieder hinzulegen. Dort erlag ich aber noch mehr dem Jammern. Meine Hebamme sagte dann irgendwann wieder etwas - ich weiß nicht mehr was - auf alle Fälle sprang ich raus und versuchte meine letzten Kräfte zu mobiliseren. Ich hüpfte durchs Wohnzimmer und ging bei jeder Wehe in eine leicht gebeugte Haltung und brüllte mein Baby heraus und versuchte nach unten zu schieben. Ich verspürte kein tiefer treten. Ich schaffte das vielleicht für 4, 5 oder 6 Wehen - ich weiß es nicht mehr. Ich war sauer, dass es nicht weiterging und tat dies auch immer wieder kund. Meine Hebamme untersuchte mich nochmals unten rum. Ich sollte auch selbst fühlen. Ich spürte zwar mit dem Finger etwas, aber meine Gefühle waren dennoch taub. Ich konnte keine Glücksgefühle mobiliseren, obwohl ich den Kopf meines Kindes tasten konnte! Ich wusste nur, dass er noch schei*e weit hinten war. Mir viel dann auch auf, dass ich in der ganzen Zeit keinerlei positiven Gefühle bekam. Von wegen Endorphinausschüttung oder so. Auch wenn ich mal nicht jammerte und versuchte die Wehen positiv anzunehmen. Ich versuchte ja in der Zeit wirklich alles!
Mein Reflex in der Scheide wurde dafür zunehmend schlimmer - ich nenne ihn nun ab sofort Scheide-Auskotz-Reflex (SAR)
Meine Hebamme schickte mich mit meinem Mann auf die Toilette. Ich fing auch an zu zeichnen. Ich hielt diese Wehen nicht mehr aus. Meine Hüfte und mein Hintern wurden weiterhin gesprengt und der SAR wurde immer schlimmer. Ich hielt es vielleicht für 4, 5 Wehen auf der Toilette aus. Ich fühlte nach jeder Wehe nach dem Abstand von Scheidenausgang bis zum Kopf. Es waren immer noch zwei Fingerglieder des Mittelfingers. Ich verzweifelte. Aber es ging vorwärts. Als ich von der Toilette runter bin, waren es nur noch ein Fingerglied.
Ich bin zurück ins Wohnzimmer. Meine Hebamme meinte ich solle mich auf die Couch legen, ich sei zu erschöpft fürs Stehen. Ich legte mich hin. Nun gings dann erst richtig los. Mein SAR wurde schlimmer und schlimmer. In jeder Wehe dann 4-5 Mal dieser verdammte Reflex. Meine Mutter bereitete die Handtücher und die Schüssel für die Geburt vor, meine Hebamme den Rest, mein Mann war immer bei mir und musste mir die Hände reichen. In der Phase ist mir aufgefallen, dass ich die ganze Zeit keinerlei Gesichter mehr erblicken konnte. Ich habe meinem Mann ewig nicht mehr angesehen. Ich war nur mit mir selbst beschäftigt. Ich jammerte immer noch sehr stark und sagte bei jeder Wehe ich kann nicht mehr, ich schaffe es nicht, es geht nicht. Meine Hebamme drohte mit Verlegung und sprach von schlechten Herztönen. Ich bekam mit, dass mein Mann bei jeder Wehe verzweifelt schluchzte. Es tangierte mich nichts. Weder die Verlegungsdrohung, noch die schlechten Herztöne, noch dass es meinem Mann dreckig ging. Ich wusste, dass ich nicht verlegt werde. Ich konnte in diesem Zustand nicht verlegt werden. Meine Gefühle fürs Baby waren taub. Es war mir egal. Ich wollte eh sterben. Die Wehen waren so hart und der SAR kam immer wieder - unaufhaltsam 4, 5 Mal in jeder Wehe. Ich hyperventilierte - deshalb sackten die Herztöne wohl ab. Meine Hebamme holte die Sauerstoffflasche. Ich sollte in den Wehenpausen damit atmen. Ich versuchte es und versuchte runterzukommen und in den Bauch zu atmen. Es funktionierte nur bedingt.
Irgendwann fing die Hebamme an zu sagen, sie sieht das Köpfchen. Ich war verzweifelt - jetzt erst?! Ich wusste, dass das Schlimmste noch bevorstand - der Kopfdurchtritt. Sie sagte, ich solle mitschieben. Ich fragte mich mitschieben bei was?! Ich hatte nichts zum mitschieben! Ich hatte diesen schei* Reflex, der mich fast umbrachte! Ich sollte pressen. Ich presste was das Zeug hielt. Sie sagte, das Kind hätte eine Beule und sei schräg eingestellt. Ich dachte bis dahin immer noch,d ass die Fruchtblase noch nicht geplatzt sei und fragte mich, wann diese endlich platzen würde, mit der Hoffnung, dass dies Erleichterung bringe. Erst hinterher erfuhr ich,d ass die Fruchtblase wohl bereits in der Badewanne mal platzte. Wobei ich eher glaube, dass sie platzte als sie mich das zweite Mal unten rum untersuchte, denn dann kam etwas mehr Flüssigkeit mit raus aus der Scheide.
Mit jeder Wehe sollte ich meine Kräfte mobilisieren und am Höhepunkt mitpressen. Es brannte wie Hölle. Mein Damm dehnte sich. Ich presste wie ein Weltmeister und nach der Wehe rutschte das Kind zurück. Ich fragte immer wieder, ob es schon raus ist. Nein, es rutscht zurück. Ich verzweifelte. Ich presste weiter. Ich brüllte. Weil ich ja ständig noch diese Wehen hatte, dass es mir die Hüfte und den Hintern zerreißt, musste ich wohl auch ständig Kot absetzen, den meine Hebamme wegwischte, das war so kontraproduktiv und unangenhem, dass ich sie mal anschnauzte.
Ich presste weiter mit jeder Wehe und der verdammte Kopf wollte nicht durch die Scheide treten. Mir brannte der Damm und die Schamlippen. Nach ca. 5 solcher höllischen Versuchen, sagte meine Hebamme sie müsse jetzt schneiden. Ich war ihr so dankbar in dem Moment, dass sie mich schneiden wird. Die nächste Wehe kam und ich presste mir die Seele aus dem Leib. Ich merkte wie mein Kopf rot anlief und hörte nur noch, dass mein Mann sagt, dass ich wohl gleich bewusstlos werde und der Kopf trat durch - es war die Hölle. Und dann ging es ganz schnell, der Körper flutschte nach und ich bekam mein glitschiges Babylein auf meine Brust. Es war vorbei. Die Schmerzen waren vorbei. Es war 23:37 Uhr. Ich hatte ein Baby geboren. Ich realisierte es kaum. Ich war nur so froh, dass das Märtyrium endlich ein Ende hatte. Ich fing sofort an zu zittern wie Espenlaub. Zuvor war mir immer so heiß und ich zog mich im Laufe des Abends immer weiter aus, doch nun war mir so kalt. Sie schmissen mir eine Vielzahl an Decken über mich und das Baby, aber das Zittern hörte nicht auf.
Meine Hebamme hatte zur Sicherheit noch einen Kinderarzt angerufen, der kurz darauf kam. Was aber unnötig war. Mein Baby war wunderbar wohlauf und schön rosig. Die Hebamme sagte, dass sie einmal die Nabelschnur um den Hals hatte. Die Untersuchung vom KiA war auf meiner Brust und es wurde gewartet, bis die Nabelschnur auspulsierte, was etwas Zeit in Anspruch nahm - weiß aber nicht wie lange, sondern nur, dass sie mehrmals nachsehen mussten. Ich zitterte immer noch. Ich fragte meinen Mann, ob er denn nachsehen wolle, was es denn ist. Gesagt getan und wir haben ein Mädchen bekommen.
Ich war sehr enttäuscht, dass ich keine Glücksgefühle verspürte - immerhin hatte ich mein Baby spontan zur Welt gebracht und eine Geburt hinter mir! Ich weiß noch, dass ich mich damals nach den Wehen bei meiner Fehlgeburt wie eine Löwenmama gefühlt hatte - ich war so stolz und voller Glücksgefühle. Diesmal - nichts. Es war fast so wie damals nach dem Kaiserschnitt. Es fehlten die Gefühle, aber die fehlten ja schon die ganze Geburt über. Ich war einfach nur froh, dass ich endlich aus diesem Schmerzmärtyrium ausbrechen konnte.
Übrigens kam unsere große Tochter ganz pünktlich aus dem Schlafzimmer dahergedackelt, als mir meine Tochter frisch auf die Brust gelegt wurde. Sie hat mein Gebrülle zuvor wohl nicht wahrgenommen, sondern dann nur die Freudenausdrücke, dass ich ein Baby geboren hätte. Sie war sofort positiv angetan und wollte mal anfassen.
Irgendwann bekam ich dann nochmal eine leichte Version von den Wehen und meinte, dass meine Plazenta jetzt wohl kommen wird. Ich hatte auch davor etwas Angst, weil ich eigentlich keine Lust mehr auf irgendwelche Wehen oder Gepresse hatte. Doch aufhalten konnte ich es nicht. Und so kam sie dann doch mit zwei Wehen rausgeflutscht. Sie war glücklicherweise nicht sehr groß und auch vollständig und meine Hebamme erklärte uns dann auch alles. Vor der Plazenta hatte meine Tochter etwas Angst, aber als wir ihr erklärten, dass das das Essen fürs Baby war, wars wieder in Ordnung. Und auch die Nabelschnur wurde für sie was Positives, nachdem wir ihr gesagt haben, dass sie darüber ernährt wurde.
Die kleine Maus wollte erst nicht gleich stillen, hab sie dann aber doch noch gut andocken können. Danach wurde angezogen und wir baten unsere Hebamme sie gleich zu wiegen und zu vermessen - 3420g, 50cm und 35,5cm KU bei 40+3. Der Kopf war ganz schön verformt und hatte von der schrägen Einstellung ins Becken eine ziemliche Beule. Meine Hebamme meinte, dass sie möglicherweise zuerst in der hinteren Hinterhauptslage war und sich wohl dann doch noch gedreht hat. Sie war wohl auch sehr lange am Beckeneingang.
Sie hat sich auch mehrmals bei mir entschuldigt, dass sie schneiden musste, aber ich war ihr wie gesagt sehr dankbar dafür, denn ich hätte es sicherlich nciht ohne geschafft und wenn doch, ich sicherlich bitterböse gerissen wäre. Sie hatte dann auch nocht gemeint, dass sie überlegt hätte, ob es im Vierfüßler besser gegangen wäre, glaubte es aber eher nicht, zumal sie mich wohl eh nicht in meinem damaligen Zustand dorthin hätte bewegen können.
Sie meinte auch, dass meine Scheide wohl sehr eng sei - was bei gewissen anderen Dingen von Vorteil sei

- und ich einen ziemlich starken Beckenboden hätte - als wäre ich Reiterin (was ich nun wirklich nicht bin, vor allem mache ich keinerlei Beckenbodensport, ich mache überhaupt keinen Sport!) Ich weiß nur, dass mein FA immer die kleineren Instrumente bei mir verwenden muss.
Sie begleitete mich dann noch kurz zum Duschen und wir sind dann gegen 2 Uhr morgens ins Bett.
Mein Abschlussfazit folgt noch - Babylein ruft nach mir
